Gescheitert! Ja und?

Lange gab es keine Beiträge in diesem Blog. Ich möchte euch erklären warum. Seit dem letzten Post sind fast drei Jahre vergangen. GreenPosh war ein Shop der nachhaltige Mode und Accessoires, wie Handtaschen und Schuhe verkauft hat. Das war zu einem Zeitpunkt des Aufbruchs im Bereich der Nachhaltigkeit mit viel Potenzial.

Im Jahr 2015 habe ich GreenPosh eröffnet – 2017 musste ich GreenPosh aus verschiedenen Gründen schließen. Was bisher nicht viele wissen ist, dass ich im Frühjahr 2018 Insolvenz anmelden musste.

Da ich GreenPosh als Einzelfirma geführt habe, bedeutet das für mich Privatinsolvenz.

Die letzten zwei Jahre habe ich genutzt, um mich neu zu orientieren. Zunächst war ich damit beschäftigt das Geschäft abzuwickeln. Danach habe ich mich beruflich neu orientiert. Während der Phase zwischen Vorbereitung und Anmeldung der Privatinsolvenz fing ich an mich damit auseinander zusetzten. Bis dahin hatte ich das Thema so gut es ging verdrängt.

Was bedeutet eine Privatinsolvenz wirklich, außer das man mehrere Jahre – in meinem Fall 5 Jahre – wirtschaftlich gesehen am Ende ist?

Während der 5 Jahre, der sogenannten Wohlverhaltensphase, darf man sich wirtschaftlich nichts zuschulden kommen lassen. „Wohlverhaltensphase“ – der Name allein, könnte einen schon in die Depression treiben. Da fühlt man sich direkt wieder wie ein kleines Kind, welches einen Fehler gemacht hat und nun dafür bestraft wird. Es muss sich benehmen, sonst gibt es eine viel schlimmere Strafe.

Wie gesagt wirtschaftlich in man im Arsch. In der Praxis bedeutet das zum Beispiel kein Mietvertrag, ein Pfändungsschutzkonto bei der Bank, einen Teil des Einkommens muss man ab einem bestimmten Betrag an den Insolvenzverwalter abgeben usw.

Aber es geht nicht nur um den wirtschaftlichen Aspekt. Bisher wissen von meiner Insolvenz nur wenige. Meine größte Angst war lange, wie reagieren Freunde und Bekannte darauf? Obwohl ich mir immer sage, dass es egal ist was andere denken, ist es in diesem Fall eben doch nicht so.

Ich habe ein eigenes Unternehmen gegründet, mit einem durchdachten Konzept, stetigen Wachstum und 4 Angestellten. Am Ende hat es nicht funktioniert.

GreenPosh war meine Herzensangelegenheit, mein drittes Kind. Ich habe alles auf eine Karte gesetzt, unser gesamtes Geld investiert und ein Gründungsdarlehen von der Investitionsbank Berlin-Brandenburg erhalten.

Fast drei Jahre habe ich alles für GreenPosh gegeben und auf einmal war es nicht mehr da. Ein Beruf ist immer auch ein Teil deiner Identität. Dieser Teil ist auf eine schmerzhafte Weise nicht mehr da und muss nun kompensiert werden.

Auf diesen Seiten möchte ich nicht herumjammern und mich selbst bemitleiden. Mein Ziel ist es, über die Insolvenz zu sprechen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben haben, aber auch welche Chancen und neue Ideen.

Auch möchte ich herausfinden, ob man in Deutschland wirklich als Versager abgestempelt wird, der sich nicht genug angestrengt hat oder nicht gut genug war.

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