GreenPosh Backstage: Wie plattgold gebrauchten Fahrradschläuchen ein zweites Leben schenkt

Was gefällt euch am besten an eurem Fahrrad? Ist es die Farbe? Der federleichte Alurahmen? Die flüssige Schaltung?  Oder gar… die Schläuche? Sonst völlig unbeachtet, entfalten sie ihre volle Schönheit erst, wenn man ihnen ein neues Erscheinungsbild gibt. plattgold ist solch ein Meister auf diesem Gebiet – das Unternehmen aus Darmstadt betreibt upcycling in seiner ehrlichsten und individuellsten Form. So entstehen in aufwändiger Arbeit innovatives aus Gummi, das sich deutlich von bisher gesehenem abhebt. Wir sprachen mit Gründer Kai Müller über Schläuche, Designs und Nachhaltigkeit.

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GreenPosh: Wie würdest du dein Unternehmen in fünf Worten beschreiben?

Kai: Wir stellen in unserer Darmstädter Manufaktur einzigartige Accessoires aus kaputten Fahrradschläuchen her.

GreenPosh: Bist du ein großer Fahrradnarr oder wie kam es zu der Geschäftsidee?

Kai: Ich mache selbst seit über 25 Jahren Triathlon und fahre Mountainbike und Rennrad. Als ich selber vor etwas mehr als anderthalb Jahren einen Platten hatte, ist die Idee entstanden. Ich habe mir gesagt, eigentlich musst du den jetzt nicht wegschmeißen…

GreenPosh: Wie wird aus einem Fahrradschlauch eine Tasche?  

plattgold-produktion-greenposhKai: Wir haben mittlerweile über 100 Fahrradhändler in Deutschland, die für uns die Schläuche sammeln. Die kommen von Norderney bis Mengen im Allgäu. Die Händler schicken die Fahrradschläuche dann in Paketen mit 80 – 120 Stück, mit DHL „go green“, klimaneutral nach Darmstadt und wir übernehmen die Versandkosten. Bei uns in der Manufaktur werden die Schläuche dann nach Größen sortiert, aufgeschnitten, gewaschen und mit Schablonen zugeschnitten. Danach werden sie von unseren Näherinnen in Kombination mit Filz und neuerdings auch mit „Korkleder“ vernäht. Danach kommen noch die Träger und unser wunderschönes plattgold-Logo dran und „schon“ ist die Tasche fertig.

GreenPosh: Euer Sortiment umfasst bis dato Schlüsselanhänger, Handytaschen, Gürtel und Taschen. Dürfen wir uns auch bald auf Kleidung aus Fahrradschläuchen freuen?

Kai: Bisher haben wir noch keine konkreten Überlegungen zu Klamotten. Allerdings kam schon öfter von Kunden die Idee einen Regenmantel aus dem Material herzustellen. Würde ja auch irgendwie passen.

GreenPosh:  Durch das Material setzt ihr mit Schwarz ein Statement. Wäre es theoretisch dennoch möglich, die Schläuche einzufärben?

Kai: Die plattgold-werkstatt-greenposhgebrauchten Schläuche einzufärben ist aus unserer Sicht im Nachhinein nicht möglich und wahrscheinlich auch ökologisch nicht besonders wertvoll. Was wir schon ein paarmal gemacht haben ist, auf unsere Produkte für Kunden Farbe ins Spiel zu bringen, indem diese mit deren Logo bedruckt wurden. So gibt es zum Beispiel im Fan-Shop von Darmstadt 98 unser Outdoor Portemonnaie „Böllenfalltor“ in einer Edition mit deren Lilie.

GreenPosh: Ihr produziert in Darmstadt. Sind auch die Fahrradschläuche „echte Einheimische“ oder bezieht ihr sie aus ganz Europa?

Kai: Derzeit kommen die Fahrradschläuche ausschließlich von deutschen Fahrradhändlern. Das hat sowohl ökologische als auch ökonomische Gründe. Bei über 73 Millionen Fahrrädern in Deutschland haben wir erst einmal ausreichendes Potenzial ;-)

GreenPosh: Wer ist eure Zielgruppe? Wie stellt ihr euch den typischen Plattgold-Träger vor?

Kai: Sicher können unsere Accessoires viele Menschen tragen. Insbesondere aber Menschen die gerne Radfahren, auf Nachhaltigkeit und Individualität achten. Allerdings haben wir in unserem Businessplan tatsächlich mal den typischen Kunden definiert:

Er ist männlich und wohnt in einem Szeneviertel in einer Großstadt. Er betreibt eine Individualsportart wie Marathon, Triathlon oder geht ins Fitnessstudio. Er arbeitet im mittleren oder gehobenen Management. Von Beruf ist er Jurist, BWL´er, Architekt, Designer oder in einem ähnlichen kreativen Beruf. Er lebt in einer Partnerschaft und hat Kinder Es geht ihm finanziell gut. Er spürt öfter einmal, dass er aus seinem geregelten Leben ausbrechen möchte, um das Kind im Manne loszulassen. Er möchte gerne nach außen zum Ausdruck bringen, dass er trotzt aller „Spießigkeit“ ein lockerer Typ ist. Er trägt heute schon ein Lederarmband, eine Kette oder ein Tattoo. Er nutzt für die digitale Kommunikation ein Iphone, IPad und/oder MacBook.

plattgold-werkstatt-greenposh2GreenPosh: Wie ist es, wenn ihr eure Designerstücke auf den Straßen seht?
Kai: Ich hatte vor ein paar Wochen einen Anruf von einem Sportsfreund, den ich vor über 20 Jahren das letzte Mal gesehen habe. Er rief mich an, weil sein Kollege auf der Arbeit morgens eine Fon Hülle von plattgold auf den Schreibtisch gelegt hat. Da er über Facebook mitbekommen hatte, dass ich der Gründer bin, hat er voller Stolz berichtet, dass er mich kennt und welche gemeinsamen Triathlonerlebnisse wir miteinander geteilt haben. Das hat mich schon extrem gefreut und stolz gemacht.

GreenPosh: Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit?

Kai: Bewusst die Auswirkungen des persönlichen Verhaltens auf die nachfolgenden Generationen zu hinterfragen und nicht auf gesellschaftspolitische Veränderungen zu warten. Ganz konkret Dinge selber verändern. Das sind bei mir im privaten Bereich die „klimafreundliche“ Ernährung, innerstädtisch nur noch mit dem Fahrrad unterwegs zu sein und das Tempo auf der Autobahn zu drosseln. Im Unternehmen ist es der Ansatz Produkte zu verarbeiten, die schon ein Leben hinter sich haben, mit Menschen wertschätzend umzugehen und sie ordentlich zu bezahlen. Sicher sind das alles nur kleine Ansätze. Wenn allerdings viele Menschen Kleinigkeiten verändern, kann etwas Großes dabei raus kommen.

GreenPosh: Herrngarten, Böllenfalltor, Schwarzer Weg – woher kommen die kreativen Namen eurer Produkte? 

Kai: Die Namen entstammen Sehenswürdigkeiten aus Darmstadt und sollen damit die Darmstädter Herkunft der Produkte unterstreichen. In unserem Online-Shop stehen die jeweiligen Erklärungen mit “ * “ bei den jeweiligen Accessoires. So zum Beispiel unsere Fon Hülle Knabenschule oder die Mobilgeräte Hülle Lichtwiese.

GreenPosh: Nachlesen lohnt sich! Vielen Dank für das informative Interview. Wir sind gespannt, wie es bei euch weitergeht und sehen unsere Fahrräder, insbesondere die Schläuche, mit ganz neuen Augen. 

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