Insolvenz – Soll ich offen darüber sprechen oder lieber schweigen?

Zwischen Anmeldung der Insolvenz und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens vergehen viele Wochen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich meine Unterlagen mit dem Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht in Berlin angegeben habe. Auf der einen Seite war ich erleichtert, dass nun das Finanzielle geregelt ist. Auf anderen Seite war das Kapitel GreenPosh endgültig vorbei.

Eigentlich wäre jetzt der Zeitpunkt gewesen, über die Insolvenz zu sprechen. Einen offenen Brief im Blog und den sozialen Medien zu veröffentlichen. Gemacht habe ich es nicht.

Zu groß war die Angst, dass Freunde und Bekannte denken, dass ich es verkackt habe und dass sie das ja sowieso von Anfang an wussten usw..

GreenPosh hat neben einem Laden in Berlin die Ware hauptsächlich online vertrieben. Dafür nutzen wir unseren eigenen Shop aber auch Marktplätze wie Avocadostore und Amazon. Auf Nachfragen antwortete ich wage und erklärte, dass wir uns neu aufstellen und solange über die Marktplätze verkaufen.

Wer ein bisschen nachgedacht hat, konnte auch selbst darauf kommen. Erst der Laden zu und dann noch der Online-Shop offline. Selbst ohne das Wissen um die Insolvenz hat mein Umfeld wohl verstanden, dass es GreenPosh nicht mehr gibt.

In den letzten Monaten habe ich mich oft gefragt, warum ich bisher nicht offen darüber gesprochen habe. Natürlich habe ich mich mit dem Thema des Scheiterns beschäftigt und mit der Scheiterkultur unseres Landes und unserer Gesellschaft. In Deutschland bedeutet Scheitern Versagen, Gesichtsverlust oder gar Schande. In Amerika hingegen wird es eher als Learning gesehen.

Nun aus Erfahrung kann ich bisher nicht sprechen, da ich bisher vermieden habe darüber zu sprechen. Man könnte fast von Verdrängung sprechen. Mich plagt das Gefühl „nicht gut genug gewesen zu sein“ und nicht, weil die Gesellschaft das angeblich denkt, sondern weil es ein Teil von mir ist, der sich in regelmäßigen Abständen meldet und seit der Insolvenz gerne häufiger.

Beliebte Aussagen in diversen Ratgebern, sind Aussagen wie „Scheitern gibt es nicht, es ist nur als ein Learning zu verstehen. Beim nächsten oder übernächsten Mal klappt es dann“. Ja klar! Als ob man mehr als einmal ein Unternehmen an die Wand fahren würde, zumindest nicht, wenn man irgendwann eine Restschuldbefreiung haben möchte.

Und doch! Scheitern gibt es. Klar hat mich das Scheitern persönlich weiterentwickelt und klar habe ich weitergemacht und, was sich für mich als logische Konsequenz ergibt, wenn ich nicht den Rest meines Lebens aus Scham in einem abgedunkelten Raum verbringen will, um mich selbst zu bemitleiden.

Aber gescheitert bin ich trotzdem. Punkt.

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