Mikroplastik – Der Feind in meinem Gel

Die Auswirkung von Mikroplastik-Partikeln aus der Kosmetikindustrie auf unsere Meere

Es ist eine traurige Tatsache, dass hierzulande jährlich rund 500 Tonnen Mikroplastik in der kosmetischen Industrie eingesetzt werden und Teile davon über das Abwasser in unseren Seen und Flüssen, in den Meeren und Ozeanen landen. Denn die Filter der Kläranlagen sind für diese oft mikroskopisch kleinen Partikel schlicht zu grob.

Industriell produziertes Mikroplastik dient dazu, Maskara dickflüssiger zu machen, es bildet die feinen Körnchen in Peelings, macht mit Zahnpasta die Zähne weißer und ist in vielen anderen Produkten als Füllstoff und Bindemittel zu finden. Die Palette reicht vom Lippenstift, über Shampoo bis zur Sonnencreme.

Es gibt zwei Arten von Mikroplastik in den Ozeanen, die erste fließt bereits als Feinstpartikel hinein, die zweite entsteht dadurch, dass größere Plastikteile zerrieben werden. Beide Arten werden von den dort lebenden Organismen aufgenommen, denn sie können die künstlichen Partikelchen nicht von Plankton unterscheiden. Schon vor zwei Jahren konstatierte die taz:

„Nahezu alle Meeresschildkröten haben Plastik im Körper, mehr als 40 Prozent der Wale und Delfine und mehr als ein Drittel der Seevögel. Menschen nehmen die Partikel auf, wenn sie Meeresbewohner verzehren.“

Doch die Plastikteilchen landen nicht nur über den Verzehr von Fischen auf unseren Tellern, sondern auch über andere Kanäle wie Regenwasser, das sich auf Pflanzen niederlässt. Eine weitere alarmierende Tatsache: Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Mikroplastik-Teilchen Giftstoffe wie ein Schwamm aufsaugen können, die sich in den Zellen der Organismen anreichern, die sie über die Nahrung aufnehmen.

Die Rufe nach einem vollständigen Mikroplastik-Ausstieg bei Kosmetika werden dementsprechend immer lauter. Im Sommer diesen Jahres hat die südkoreanische Regierung die Verwendung von Mikroplastik in allen kosmetischen Artikeln und Artikeln der Pflege untersagt. Großbritannien arbeitet an einer ähnlichen Resolution. Zwar haben sich in der EU Frankreich und die Niederlande für eine EU-weite Lösung des Problems ausgesprochen, bislang wurde aber auf Gesetzesebene noch kein Verbot erzielt. In Deutschland wurde bisher lediglich eine freiwillige Selbstbeschränkung und ein freiwilliger Verzicht der Konzerne auf die unheilvollen Inhaltsstoffe erreicht. Und wieweit der führt, sieht man daran, dass die Unternehmen zwar auf eine Substanz wie Polypropylen oder PET verzichten, dafür andere verwandte Polymere einsetzen. Die Auswahl ist ja bekanntlich sehr groß.

Wie kann ich als Verbraucher/-in Mikroplastik vermeiden?

Polyethylenterephtalat (PET), Polypropylen (PP), Polyamid (PA) oder Polyethylen (PE), das sind nur einige der wenigen Bezeichnungen für Mikroplastik in der Kosmetik. Sie müssen zwar angegeben werden, sind aber für chemisch Unkundige fast zu kryptisch, um sich zurechtzufinden. Der BUND und Greenpeace geben Empfehlungen und liefern sogenannte Nicht-Listen, nur visitenkartengroß, auf denen die No-Go-Substanzen verzeichnet sind. Es gibt auch eine App, mit deren Hilfe man über einen QR-Code erfährt, ob das Produkt in der Hand nun frei von Polyethylen-Verbindungen ist oder nicht.

Der wohl einfachste Weg ist, gleich auf Naturkosmetik umzusatteln, denn diese Branche bietet genügend Alternativen. Bewegungen wie Zero-Waste oder Kampagnen von PLASTICONTROL schaffen ein Bewusstsein in der Bevölkerung und wollen die Entscheider in Politik und Wirtschaft unter Zugzwang setzen. Doch vermeidendes Kaufverhalten, Müllvermeidung oder Recycling allein lösen das Plastikproblem nicht. Es wäre an der Zeit, dass sich die Industrie selbst Alternativen zuwendet und Stoffe wie Wachse, Aprikosenkerne, Walnussschalen oder Holzmehl einsetzt. Auch Biokunststoffe sind eine Option. Start-ups haben aus Holz, Milch, Zucker oder anderen nachwachsenden Rohstoffen vielversprechende Polymere entwickelt.

Die Plastikanreicherung der Weltmeere ist ein Problem, das wir nur lösen können, wenn wir alle achtsamer mit dem Müll umgehen. Dabei reicht es nicht, wenn ein paar Prozent der Weltbevölkerung, die in relativem Wohlstand leben, etwas dafür tun. Gerade in Gegenden der Erde, in denen viele Bewohner nur knapp oberhalb der Armutsgrenze leben, wäre Aufklärung und Hilfe wichtig.

Ein generelles Verbot von Mikroplastik wäre nur ein erster kleiner Schritt, aber er scheint notwendig, um die fatale Kettenreaktion aufzuhalten, die letztendlich nicht nur den Ozeanen Schaden zufügt, sondern auch massiv unsere Gesundheit und unser Leben gefährdet.

Foto Abbildung BU Kügelchen Mikroplastik – Quelle: 5Gyres / Oregon State University
Foto Abbildung Finger – Quelle: ALLIANCE FOR THE GREAT LAKES

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