Zu viele Kosten, zu viele Rechnungen – Wie kann ich GreenPosh sanieren?

Um GreenPosh zu gründen, habe ich neben privaten Ersparnissen, ein Gründungsdarlehen von der Investitionsbank Berlin-Brandenburg erhalten. Um das Darlehen zu bekommen, musste ich einen Businessplan vorlegen, der die Bank überzeugt.

Das hat er. Nun musste ich mich auch genau daran halten und das Geld für die im Businessplan genannten Vorhaben einsetzen. Beispielsweise die Ladeneinrichtung – es gab keine Möglichkeit als Erstes in Ware und in den Aufbau des Online Vertriebs zu investieren und dann den Laden zu gestalten. Auch wenn das, in der Praxis die wirtschaftlich bessere Verwendung des Geldes gewesen wäre. Natürlich ist die Bank nicht Schuld, das will ich an dieser Stelle klarstellen, nur eben nicht flexibel genug, um Nachbesserungen, die sich bei der Umsetzung als sinnvoll zeigen, mitzutragen.

Ich wollte schnell wachsen und GreenPosh groß machen. Der Anfang war schwer, unbekannter Laden, viele damals noch unbekannte Marken. Ich bediente eine Nische. Ziemlich schnell hatte ich meinen ersten Angestellten und wir starteten durch. Den Online-Shop im Internet auffindbar machen und die Marken bekannter zu machen, oft haben wir eher unfreiwillig, neben unserm eigenen Marketing auch Marketing für die Hersteller gemacht.

Neben dem Verkauf über den GreenPosh Online-Shop und den Laden in Berlin, nutze ich auch Marktplätze wie Avocadostore und Amazon. Der Umsatz stieg stetig und damit auch der Aufwand, es kamen noch zwei weitere Angestellte hinzu.

Ich entwickelte mich zum Allrounder, neben Wareneinkauf, Marketing wie SEO und SEA, diversen operativen Tätigkeiten wie Pakete packen,  Social Media, Pflege der Plattformen usw. wollten auch die Kunden, die in den Laden kamen, beraten werden.  Die To-do’s waren unendlich.

Ach so, natürlich musste auch die Buchhaltung erledigt werden. Wurde sie auch, aber eben nur dass, was für den Steuerberater notwendig war. Regelmäßige Berechnungen über die Verwendung der Einnahmen und den zu zahlenden Verbindlichkeiten, sowie die Kalkulation der Sortimentsplanung fanden nicht im ausreichenden Umfang statt.

Alle meine Gedanken kreisten um GreenPosh und darum, möglichst schnell  zu wachsen und Gewinne zu generieren. Es gab natürlich auch Rückschläge und manches ging doch nicht so schnell und einfach, wie ich gehofft hatte. Ein großer Rückschritt – zumindest finanziell – war ein Markenstreit über die Marke GreenPosh. GreenPosh hatte ich zunächst aus Kostengründern nicht als Marke beim DPMA angemeldet. Jemand kam mir zuvor und ich musste vor Gericht, um mir die Nutzung der Marke GreenPosh in den für mich relevanten Nizza-Klassen zu sichern. Das war teuer, nervenaufreibend und zeitaufwendig und machte es mir zeitweise schwer mich zu fokussieren.

Ich machte natürlich weiter und wollte ein breites Sortiment aufstellen, daher kaufe ich viel Ware ein. Mir gelang es sogar von einigen Labels ein Preferred Partner zu werden. Preferred Partner bedeutet natürlich den Kunden eine entsprechende Auswahl, der jeweiligen Kollektion, zeigen zu können.

Irgendwann stelle ich fest, dass ich zu schnell, zu viel wollte. Meine fixen Kosten waren sehr hoch, Ladenlokal, Gehälter und dann noch die Lieferantenrechnungen. Ich musste zurückrudern und musste leider zwei meiner Mitarbeiter entlassen. Ich besorgte mir einen Business-Coach, um GreenPosh zu optimieren. Es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder es ging optimiert weiter oder ich würde GreenPosh „beerdigen“ müssen.

Wir überlegten aus GreenPosh einen nachhaltigen Marktplatz zu machen. Betriebsname:  GreenPosh 2.0! Auf diesem Marktplatz wollten wir unsere Ware verkaufen und Herstellern und Designern, deren Fokus ganz auf  die Herstellung und das Design Ihrer Ware legten, die Möglichkeit zu geben von der Reichweite und dem Marketing von GreenPosh zu profitieren.

Die Idee war toll aber für die Umsetzung, das war klar, brauchte ich Unterstützung. Es fehlten natürlich die finanziellen Reserven, das Projekt umzusetzen. Der Business-Coach und ich überlegten, einen Teil des Geldes über Crowdinvest zu sammeln, um dann später – mit einem Proof of Concept – größere Investoren für mein Vorhaben zu begeistern. Der Business-Coach versuchte mich zu überzeugen, die geplante Crowdfunding Kampagne zu starten. Das hatte Minimum 10.000 -15.000 Euro gekostet, wenn ich es professionell aufgezogen hätte.

Das hörte sich toll an und lass sich super auf dem Papier, aber mal ehrlich. Sollte ich noch mehr Geld ausgeben? Ich hatte zu diesem Zeitpunkt keine 10.000 -15.000 Euro über. Wer schmeißt gutes Geld, schlechtem Geld hinterher? Wohl kein Investor auch kein privater Investor. Diese Idee hätte mir ein Jahr zuvor kommen müssen, dann wäre die Umsetzung realistisch gewesen.

Ich war in dieser Zeit sehr angespannt. Ich habe auch meinen letzten Mitarbeiter kündigen müssen und habe eingespart, wo es nur ging. Dann kam eine Einladung der chilenischen Botschaft nach Chile. Kleinere Designer und Hersteller nachhaltiger Bekleidung planten sich in Deutschland etablieren. Eigentlich genau Richtige für GreenPosh – so wie es auch die chilenische Botschaft sah.

Also flog ich für einige Tage nach Chile, mit neuen Eindrücken und einer anderen Sichtweise kam ich zurück. Noch im Flugzeug kam mir der Gedanke, dass es so nicht mehr weitergeht und ich GreenPosh schließen werde.

Manchmal muss man nur den Blickwinkel ändern und alles wird klar. Ich habe eine Familie und Kinder, meine Firma ist eine Einzelfirma, für die ich meinen Arsch hinhalten muss. Auf keinen Fall noch mehr Verbindlichkeiten für irgendwas.

Nach der Landung, noch aus dem Auto heraus, vereinbarte ich einen Termin bei einem Anwalt, um mich beraten zu lassen, wie ich GreenPosh abwickeln könnte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht vor Insolvenz anzumelden. Ich erwirtschaftete inzwischen mit GreenPosh monatlich einen mittleren fünfstelligen Umsatz. Mein Ziel war es die Verbindlichkeiten zu minimieren, indem ich Ware zurückgab, den Mietvertrag zu kündigen und ausschließlich über die Marktplätze zu verkaufen. Nach dem Gespräch mit dem Anwalt war ich zuversichtlich mich mit allen Gläubigern zu einigen.

Mit den meisten Gläubigern gelang mir das sehr gut. Sie hatten Verständnis und nahmen die Ware zurück oder liefern gar nicht erst aus. Einige Hersteller bekannter Marken weigerten sich. Es war noch nicht mal möglich, die noch nicht produzierte Ware zu stornieren. Was sollte das denn? Sie lieferten mir Ware, obwohl ich sagte, dass ich sie nicht bezahlten können würde.

Der Anwalt schrieb meine Gläubiger an, um sie davon in Kenntnis zu setzten, dass ich gerade dabei bin meine Finanzen zu ordnen und bat sie um Geduld. Da ja auch die Sparkasse ein Gläubiger war – ich hatte keine säumigen Raten – wurde die Sparkasse auch angeschrieben.

Das war’s dann. Die Sparkasse kündigte das Darlehen und stellte das komplette Gründungsdarlehen sofort fällig. Auf eine Einigung ließ sie sich nicht ein. Wozu auch. War doch das Darlehen zu 80 % durch die Investitionsbank Berlin-Brandenburg abgesichert. Wieso sollte sie sich dann auf einen schlechteren Deal mit mir einlassen? Hallo Insolvenz!

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